Zwischen den Jahren

Hi!

Heute ist Mittwoch, der 4. Januar 2017 und es ist 16:01 Uhr in Pelham, NY. Meine kleine Emelie hat gerade Gymnastik und ich nutze die Zeit, um ein paar Zeilen für Euch niederzuschreiben.

...erstmal ein frohes neues Jahr an Euch! Ich hoffe, Ihr hattet eine schöne Zeit zwischen den Jahren und seid gut in das Jahr 2017 gerutscht.
Und wenn wir schon zwischen den Jahren sind: Diese Zeit war bei mir ganz anders und nicht vergleichbar mit dem, was ich hier bisher erlebt habe. Die Kinder hatten Ferien und meine Gasteltern mussten nicht zur Arbeit - ich hatte frei! Nach den spannenden Feiertagen habe ich es erstmal für zwei Tage ruhig angehen lassen, viel in meinem neuen Kindle (ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen) gelesen, ein paar Erledigungen gemacht, ein paar Dinge organisiert, viel Gossip Girl und Grey's Anatomy geguckt... ja, auch solche Tage gibt es als Au Pair! 😄

Am Mittwoch, dem 28. Dezember 2016 wurde es dann aber spannend: Ich sollte endlich meinen ersten Besuch aus Deutschland bekommen. Maxi, ein guter Freund von mir, würde sieben Tage in NYC verbringen und dementsprechend auch über Silvester bleiben. Ursprünglich war geplant, dass wir uns Donnerstag bis Montag sehen können, überraschender Weise konnte ich ihn dann aber doch vom Flughafen abholen. Dorthin zu kommen war dann schon ein kleines Abenteuer und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dauert das von Larchmont aus auch fast zwei Stunden. Am Flughafen angekommen habe ich dann kurz den Punkt der Verzweiflung erreicht, weil ich weder den Ort, an den die Fluggäste von der Einreise kamen, noch Personal, das mir eventuell helfen könnte, finden konnte. Ein lieber Mann, der eigentlich für Gepäck zuständig ist, hat mir dann mitgeteilt, dass ich schon davor stehe... gut zu wissen! 😄
Die Überraschung war auf jeden Fall gelungen. Es war sehr schön, mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen, in echt, ohne Computerbildschirm. Ein ganz verrücktes Gefühl, schön aber irgendwie auch sehr surreal.
Nachdem das Gepäck in Maxis Airbnb abgeladen war, standen dann auch schon die ersten Touristenattraktionen auf dem Zeitplan und ich zeigte ihm den Ground Zero und das One World Trade Center (vorerst von unten). Auch wenn ich beides schon mehrere Male gesehen habe, ist es nach wie vor beeindruckend für mich. Der gigantische Freedom Tower lässt mich mit seiner Größe und Schönheit jedes Mal auf's Neue staunen und ich werde am 9/11 Memorial immer wieder in die selbe, bedrückende aber auch respektvolle Stimmung versetzt. Ich konnte viel erklären und einige Fragen beantworten ("Ja, die Becken sind wortwörtlich die Fußabdrücke der Twin Towers", "Die weißen Rosen in den Namen bedeuten, dass diese Person Geburtstag hat", "Nein, der Survivor Tree stand nicht schon immer da, sondern wurde neu eingepflanzt"...) und es ist für mich persönlich immer schön zu sehen, wie viel ich selbst schon über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten gelernt habe.
Ein weiterer Stop war natürlich der Times Square, welcher selbstverständlich mitten in den Vorbereitungen für die Silvesternacht stand und dementsprechend noch voller war als gewöhnlich. Leider waren auch manche Teile gesperrt, wie zum Beispiel die Treppe, die als Aussichtsplattform dient. Auch der Times Square und wie er mit seinen grellen Lichtern die Nacht zum Tag macht ist natürlich immer noch beeindruckend für mich, dennoch muss ich zugeben, dass er mir längst nicht mehr so den Atem raubt wie bei meinen ersten Besuchen. Das mag für den Ein oder Anderen vielleicht komisch und unverständlich klingen, aber da der Times Square einfach so extrem überfüllt und überrannt ist und man keinen Schritt machen kann, ohne mit jemandem zusammenzustoßen, gehört er einfach nicht mehr zu den Orten, an denen ich mich nicht satt sehen kann. Zu meinen persönlichen Highlights und Lieblingsplätzen in NYC zählen einfach andere Dinge und ich bin mir sicher, es werden auch noch mehr hinzukommen, denn keine Zeit der Welt reicht aus, um diese Stadt komplett zu erkunden.

Am Donnerstag, dem 29. Dezember, stand dann hauptsächlich Shopping auf dem Programm. Bei dem regnerischen Wetter bot sich die 34th Street ja auch als perfektes Shoppingparadies an und so wurde ich für einen Tag zur Modeberaterin umfunktioniert. Ein klein wenig stolz bin ich schon auf mich, dass ich bei all den Rabatten, die es zwischen den Jahren so gibt, fast überhaupt nichts gekauft habe. 😄 Gestärkt haben wir uns bei Wendy's bevor wir dann wieder Richtung Times Square gewandert sind, denn dort liegt das Madame Tussauds, welches wir besuchen wollten. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt, es war richtig lustig und es gab wirklich coole Figuren. Es gab sogar ein 4D-Kino zum Schluss, was nochmal sehr witzig war. Die Ausstellung wird alle drei Monate erneuert, vielleicht schaue ich da bald nochmal vorbei. 😊









Am Freitag sollte es hoch hinaus für uns gehen - genauer gesagt auf 382,2 Meter. Auf die Aussichtsplattform des One World Trade Centers, dem höchsten Gebäude der westlichen Hemisphäre und dem sechsthöchsten Gebäude der Welt. Es handelt sich hierbei um das Hauptgebäude des neu aufgebauten World Trade Centers und trägt den gleichen Namen wie der North Tower, welcher bei den Anschlägen vom 11. September 2001 komplett zerstört wurde. Zusammen mit seiner Antenne ist das Gebäude, das man auch den Freedom Tower nennt, 546,2 Meter hoch. Eine weniger als 60 Sekunden lange Fahrstuhlfahrt, bei der man an den Wänden des Fahrstuhls einen Zeitraffer der Entwicklung New York Citys Skyline präsentiert bekommt, befördert die Besucher in den 102. Stock. Dort bekommt man auf einer Leinwand eine kurze Montage über die Stadt gezeigt. Man sieht verschiedene Sehenswürdigkeiten, typische Szenarios, das Leben in NYC. Ohne dass man damit rechnet, denn die Leinwand erkennt man zuerst nicht als solche, fährt sie plötzlich nach oben und offenbart den vielen, gespannten Augen den unfassbaren Ausblick über New York City. Da ich leider etwas weit hinten stand, konnte ich da noch nicht all zu viel entdecken, aber das sollte sich bald ändern. Per Rolltreppe erreicht man letztendlich nämlich das Main Observatory im 100. Stock. Die Aussichtsplattform bietet eine 360º Rundumaussicht und ein unglaubliches Panorama. Ob Manhattan, Brooklyn, Jersey... der Concrete Jungle lässt sich soweit das Auge reicht erkunden. Dort oben zu stehen verbreitet in Dir ein Gefühl, dass sich nicht in Worte fassen lässt. Die riesigen Bauten, die dich fast zu erschlagen drohen, wenn du durch die Straßen läufst, liegen dir plötzlich zu Füßen, das riesige Empire State Building sieht auf einmal so winzig aus, der East River und der Hudson River vereinigen sich in der Upper Bay, der Blick reicht bis zur Lower Bay und in die unendliche Weite. Die Brooklyn Bridge und die Manhattan Bridge vereinen Brooklyn und Manhattan und halten sie zusammen wie Heftklammern - nur viel schöner. Es ist unbeschreiblich. Als dann noch die Sonne anfing unterzugehen, die Stadt in warmes, goldenes Licht hüllte und einen wunderbaren Kontrast zu den dunklen Wolken, die am Himmel aufzogen, bildete, wäre ich vor Glück bald geplatzt. Ich werde mich an die unfassbare Schönheit dieser Stadt niemals gewöhnen.



















Und dann war auch schon der 31. Dezember. Der letzte Tag des Jahres 2016. Diesen nutzen wir, um uns die Brooklyn Bridge anzusehen - natürlich auch ein Muss was Sehenswürdigkeiten angeht. Die Brooklyn Bridge kommt in vielen Filmen und Fernsehserien vor und gilt für viele als eines der Wahrzeichen von New York. Mit einer Gesamtlänge von 1833,68 Metern überbrückt sie den East River um Brooklyn und Manhattan zu verbinden und zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung 1883 war sie die längste Hängebrücke der Welt. Die Brooklyn Bridge wird auch "Sehnsuchtsbrücke" genannt, da sie direkt ins Herz von Manhattan führt und den Traum eines besseren Lebens symbolisiert.
Ich liebe einfach die Aussicht, die man von der Brücke hat, sowohl auf Brooklyn als auch auf Manhattan. Dieses Mal war es allerdings besonders voll und hektisch auf der Brücke, was wohl daran lag, dass Silvester der absolute Touristentag ist.
Als wir Manhattan wieder betraten kamen wir genau rechtzeitig an um eine Performance von Straßentänzern mitzubekommen. Wie manche von Euch vielleicht wissen LIEBE ich sowas abgöttisch und kann nicht genug von solchen Auftritten kriegen. Ich habe mich also sehr gefreut und wurde nicht enttäuscht - es war der Hammer und dadurch, dass die Tänzer das Publikum mit eingebunden haben, auch super unterhaltsam.


Nach einem schnellen Snack bei Pret A Manger ging es für uns über die Upper Bay nach Staten Island - und zwar mit der Staten Island Ferry. Die Fahrt mit der Fähre kostet nichts und man hat von ihr aus einen guten Blick auf die Freiheitsstatue. Zurück in Lower Manhattan haben wir uns dann noch die Wall Street mit New York Stock Exchange und der Statue von George Washington angesehen.




New Year's Eve in New York City war großartig. Die gesamte Stadt war von einer wunderbaren, fröhlichen Stimmung verzaubert, sodass man gar nicht anders konnte als gute Laune zu haben. Viele Menschen hatten blinkende Accessoires, die man an jeder Ecke am Straßenrand erwerben konnte und auch Maxi und ich ließen uns das nicht entgehen. Mit unseren leuchtenden Kopfbedeckungen liefen wir durch die Straßen, vorbei an anderen blinkenden Personen und dem Empire State Building, das selbst wie ein kleines Feuerwerk aussah, so bunt und hell war es erleuchtet. Zum Abendessen gab es Philly Style Burgers in einer echten amerikanischen Sportsbar inklusive Football. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Central Park, denn von dort aus wollten wir uns das Feuerwerk ansehen. Schnell fanden wir einen Platz, von dem aus man laut Google den besten Blick auf's Feuerwerk haben sollte und die Masse an Menschen dort bestätigte dies. Das Feuerwerk war wahnsinnig schön und unfassbar lang. Für 15 Minuten war der Himmel über New York von bunten, leuchtenden Farben erfüllt und in den Straßen hallte das Knallen zwischen den Hochhäusern, sodass die Stadt zu beben schien. In diesen 15 Minuten breitete sich ein riesiges Glücksgefühl in mir aus und ich kann immer noch nicht richtig glauben, dass ich im Central Park in New York City in das neue Jahr gestartet bin. 2016 mag für viele als das schlimmste Jahr der Geschichte gelten und auch ich bin mir darüber bewusst, dass viele schreckliche Dinge im vergangenen Jahr vorgefallen sind. Aber für mich war 2016 bisher eines der besten Jahre meines jungen Lebens. Ich hatte die beste Zeit mit meinen Freunden, mir wurde endlich klar, was ich aus meinem Leben machen will, ich saß das erste Mal in einem Flugzeug, habe das erste Mal einen anderen Kontinent betreten... ich könnte so viele Dinge aufzählen, die 2016 für mich so besonders gemacht haben, aber das würde den Rahmen dieses Eintrags komplett sprengen. Ich bin als Person so sehr gewachsen und habe mich in eine positivere Version meiner Selbst verwandelt. Und nun heiße ich 2017 mit offenen Armen willkommen.















Neujahr bescherte uns wunderbares, sonniges Winterwetter, welches wir für einen ausgiebigen Spaziergang im Central Park nutzen. Wir machten eine Tour um den Duck Pond (Kevin allein in New York- und Gossip Girl-Fans werden ihn kennen) und schauten zu, wie die niedlichen kleinen Enten gefüttert wurden. Es war unfassbar goldig, auch wenn manche ganz schön aggressiv waren! Im Anschluss liefen wir noch am Hotel Empire vorbei - mein Gossip Girl-Herz sprang auf und ab vor Freude! Mit der Subway ging's dann wieder Richtung Downtown, denn Maxi wollte Chinatown sehen. Ich finde Chinatown nicht besonders spektakulär und das sagte ich ihm auch. Es ist interessant zu sehen, dass es teilweise nicht mal englische Straßenschilder gibt, sondern alles auf Chinesisch ist und das Essen ist sehr gut aber es ist trotzdem eine Wohngegend, wo normale Menschen leben. Trotzdem war Maxi leicht entsetzt, dass keine chinesische Musik durch die Straßen hallte und uns keine Menschen, die als Longs verkleidet sind, entgegenkamen. Auch der Versuch, einen originalen NY-Cheesecake zu essen, ging eher nach hinten los (jaja, nicht jeder weiß, was "Öffnungszeiten können an Neujahr abweichen" bedeutet 😂) und somit wanderten wir noch ein bisschen durch Lower Manhattan.







Als ich am Montag wieder das Haus meiner Gastfamilie betrat, kam meine kleine Emelie mir ganz aufgeregt entgegengerannt und rief "Marie! I missed you!" - mein Herz drohte zu platzen. Das war so unfassbar niedlich. Ich habe sie auch vermisst. Ich war nur drei Tage weg und trotzdem merkte ich schnell, dass mir meine Kleinen fehlten. Ich weiß gar nicht, wie das werden soll, wenn ich mich in acht Monaten verabschieden muss. Aber bis dahin ist ja noch Zeit! Auch meine Routine hat mir etwas gefehlt und ich war froh, dass am Dienstag, dem 3. Januar, dann wieder die Schule der Kids losging und ich meinen geregelten Tagesablauf zurückhatte. Laundry stand wieder auf dem Programm, genau wie Lunch für die Schule vorbereiten. Ich legte meinen Job als New York Tourguide ab und schlüpfte wieder in meine Rolle des Au Pairs.
Aber auch wenn ich froh bin, dass der normale Alltag zurückgekehrt ist, gibt es natürlich viel zu tun. Und deshalb schaffe ich es auch erst heute, am 7. Januar, diesen Beitrag fertigzustellen. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Gestern war ich genau vier Monate in den Staaten. Ein Drittel meiner Zeit hier ist schon vorbei und sie fliegt und fliegt, schnell wie der Wind. Es ist wirklich unfassbar.

Es war eine spannende, aber auch sehr anstrengende Woche. Ich konnte ein paar Dinge auf meiner Bucket List abhaken und kenne mich noch besser in New York City aus. Für Chiara und mich heißt es jetzt: Planen, planen, planen. Denn wir wollen bald anfangen zu reisen. Mehr davon hört ihr aber ganz bald!

Bis dahin!
Eure Mary ♡

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